Feuchtigkeit im Bauwerk – Ein Problem?
Im Idealfall bildet die Gebäudehülle, wie ein Regenmantel, einen Schutz gegen Nässe und Feuchtigkeit. Dabei kann es durchaus erwünscht sein, dass die im Gebäude entstehende Feuchtigkeit entweichen kann. Eindringende Feuchte ist aber unerwünscht, weil sie am Gebäude zu ganz unterschiedlichen Auswirkungen führt.
Schäden durch Feuchtigkeit sind dabei überwiegend auf zwei Einwirkungsformen zurückzuführen. Dies sind einerseits die witterungsbedingten Niederschläge in Form von Regen und Schnee, denen die Dachhaut und Fassaden des Gebäudes widerstehen müssen. Andererseits steht das Bauwerk im Erdreich, das je nach äußeren Bedingungen, wie Grundwasser, Schichtenwasser oder auch Wasser aus Niederschlägen, unterschiedlich feucht ist.
Feuchtigkeit aus Niederschlag
Egal ob Tau, Regen, Hagel oder Schnee – das Hausdach ist vielfältigen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Je nach Anforderung ergeben sich unterschiedliche Bauweisen im Aufbau. Bei geneigten Dächern besteht die Dachhaut meist aus Dachsteinen, Dachplatten oder Metallelementen, die schuppenartig verlegt werden. Diese Konstruktion erfüllt die Anforderung an die Regensicherheit, ist jedoch nicht vollständig wasserdicht. Abhängig von Lage, Nutzung und Dachneigung wird daher oft eine zweite Abdichtungsebene eingebaut. Hier kommen verschiedene Lösungen zum Einsatz: von Unterspannbahnen, die lose und überlappend unter der Dachhaut verlegt werden, bis hin zu einem wasserdichten Unterdach, das auf einer Unterlage liegt und an Stoßstellen sowie Durchdringungen abgedichtet ist.
Bei Flachdächern sieht das anders aus: Hier werden auf der Tragkonstruktion dichte Bahnen verlegt, die an den Nähten verschweißt oder verklebt und an den Rändern hochgezogen werden. So bleibt das Dach wirklich dicht.
Neben offensichtlichen Schäden, wie etwa gebrochene Dachsteine, sind ganz besonders Anschlüsse an Öffnungen (z. B. Dachfenster) oder Durchdringungen (z. B. Kamine oder Entlüftungsrohre) und auch Ausführungsfehler – speziell bei Flachdachabdichtungen – Ursachen für eindringende Feuchtigkeit verantwortlich.

Auch während der Bauzeit müssen Bauteile – wie hier eine Holzdecke – vor Feuchtigkeit geschützt werden.
Feuchtigkeit im Boden
Im Boden kann Feuchtigkeit nicht nur von der Seite in die Wände von Gebäuden mit Keller gelangen. Durch die Arbeitsfugen der Bauteile und die Poren der Baustoffe kann Wasser auch von unten eindringen und kapillar nach oben steigen. Wo es die örtlichen Gegebenheiten zulassen, sollte daher bereits außerhalb des Bauwerks durch passende Geländeneigungen, Rinnen oder Dränanlagen anfallendes Wasser vom Gebäude abgeleitet werden. Doch auch die Bodenflächen sowie die seitlichen Kellerwände und Fundamentbereiche müssen gegen eindringende und aufsteigende Feuchtigkeit abgedichtet werden. Ähnlich wie beim Dach sind je nach Beanspruchung unterschiedlich umfangreiche Maßnahmen erforderlich. Steigt etwa das Grundwasser bis in die Höhe der im Erdreich liegenden Gebäudeteile, ist eine wasserundurchlässige Bauweise unverzichtbar.
Da Abdichtungsvarianten die Baukosten deutlich erhöhen können, ist für jedes Objekt individuell die notwendige Ausführung zu wählen. Ideal ist es, bereits im Vorfeld eine Bewertung des Baugrunds durch einen Bodengutachter vornehmen zu lassen. Nur wenn die ausführende Baufirma über ausreichend Erfahrung und Kenntnis der Bodenverhältnisse auf dem Baufeld verfügt, kann auf ein Gutachten verzichtet werden.
Feuchtigkeit von Innen
Häufig wird die Menge an Feuchtigkeit unterschätzt, die durch das Wohnen im Gebäude entsteht. Die tatsächlich anfallende Menge ist zwar individuell unterschiedlich, doch Schätzungen zufolge gibt ein Mensch allein während der Nacht etwa 0,5 Liter Wasser an die Raumluft ab. Beim Duschen im beheizten Badezimmer können durch Verdunstung schnell ein Liter oder mehr von der Luft aufgenommen werden. Weitere Quellen für Feuchtigkeit im Innenraum sind das Waschen und Trocknen von Wäsche, das Geschirrspülen oder auch Undichtigkeiten in wasserführenden Installationen.
Hier wird deutlich: Neben der Abdichtung gegen Feuchtigkeit von außen ist auch das gezielte Abführen feuchter Luft aus dem Innenraum von großer Bedeutung.

Nicht funktionsfähige Abdichtung: Ziegelmauerwerk mit Ausblühungen, Algenbildung und Schimmelbefall an der Innenseite
Probleme durch Feuchtigkeit
Die Auswirkungen hoher Feuchtigkeit in bewohnten Räumen gehen meist über ein als unangenehm schwül empfundenes Raumklima, muffige Gerüche oder sichtbare Feuchtigkeitsflecken hinaus. Bei länger anhaltender Feuchtigkeit kann es an kalten Oberflächen zu Tauwasserbildung kommen, was Schimmelwachstum begünstigt. An blanken Metallflächen entsteht dann Rost.
Dringt die Feuchtigkeit bis in die Gebäudedämmung vor, verringert sich deren Wirksamkeit. Das führt zu einem erhöhten Wärmeverlust und zusätzlichen kalten Oberflächen, an denen sich erneut Tauwasser bilden kann. Sind in diesen Bereichen Holzbauteile verbaut, besteht das Risiko eines Befalls durch holzzerstörende Pilze (Fäulnis) oder Insekten. Zwar wird durchfeuchtetes Mauerwerk oder Beton ohne zusätzlichen Frosteinfluss in der Regel kaum strukturell geschädigt, doch sind unschöne Ausblühungen an den Oberflächen zu erwarten. Und schließlich führen größere Leckagen zu eindringendem Wasser in den Wohnraum. Nicht nur unerwünschte Flecken, sondern auch Schäden an der Einrichtung sind die Folge.
Es ist daher dringend zu empfehlen, bei Anzeichen erhöhter Feuchtigkeit die Ursache zu klären. In einem ersten Schritt kann der Nutzer des Gebäudes mit einem Hygrometer (Feuchtigkeitsmesser) prüfen, ob eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit vorliegt oder ob Schwankungen mit bestimmten Ereignissen zusammenhängen. Lassen sich auf diese Weise keine Zusammenhänge erkennen, kann ein Sachverständiger mit gezielten Messmethoden in den meisten Fällen feststellen, ob bauliche Mängel für die Feuchtigkeit verantwortlich sind.
